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Montag, 9. August 2010

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Vereinsjubiläum

Der Schlei-Segel-Club (SSC) feiert in diesem Jahr sein 
100-jähriges Jubiläum

 

Eigentlich hätte der älteste Segelverein der Schleiregion mit der Stadt Schleswig gemeinsam jubilieren können. Im Jahre 1904 wurde nämlich ein Vorverein, der Schleswiger-Segel-Club (ebenfalls SSC) gegründet. Bereits drei Jahre später geht er aber auf in den 1905 gegründeten Schlei-Segel-Club, so dass die SSCer, wie es viele andere Vereine auch halten, schon in diesem Jahr das 100jährige hätten feiern können. Aber die Vereinsvorstände entschieden zu allen Zeiten, dass allein das Gründungsjahr des Schlei-Segel-Clubs zählen sollte.

 Es waren nur wenige Segelfreunde, die sich am 30. August 1905 in „einem Verein zur Hebung des Segelsports“ zusammenfanden. Die Mehrzahl der Gründer rekrutierte sich aus den Geschäftsleuten vom Lollfuß und Stadtweg sowie aus Beamten der zahlreichen Schleswiger Behörden. Unter ihnen waren der junge Drogist Franz Grell und der Möbelfabrikant Heinrich Köster, die beide jahrzehntelang  und in schwierigen Zeiten den  Schlei-Segel-Club auf Kurs hielten. „Heine“ Köster wurde außerdem durch seine flotten Neubauten bekannt. Fast alle trugen den Namen „Frisia“, wobei eine, wie wir noch sehen werden, über eine lange Zeitspanne zum Star der Schleswiger Segelszene wurde.

 Tatsächlich gelang es dem Schlei-Segel-Club, den Segelsport auf der Schlei nachhaltig zu fördern. Nur die Gründungsregatta verlief nicht ganz im Sinne der Satzung: Bei dem steifen Ostwind gingen 12 Boote an den Start, einem brach das Steuer, ein anderes lief voll und ein drittes verlor gar den Mast.

Petrus meinte es gar nicht gut mit den Neuen.

 Wie kann man sich nun die Boote vorstellen, die vor dem ersten Weltkrieg unter dem Stander des SSC (blau-weiß-rot mit herzoglich-gelbem Querstrich) segelten? Es handelte sich um eher kleine, flachgehende, meist Schwertboote ohne besonderen Komfort. Die wenigen Kielboote verfügten über eine kleine Schutzkajüte ohne Kojen, Kocher und Klo. Etliche Yachten waren umgebaute Rettungs- und Fischerboote oder frühere Marinekutter, die besonders gern für den Übersetzverkehr nach Haddeby verwendet wurden. Fast alle Übersetz- und Mietboote waren im SSC registriert.

 Einen gemeinsamen Hafen für die wachsende Flotte des SSC gab es nicht. Die Boote lagen verstreut um das innere Schleibecken an kleinen Stegen an der Schleihalle, Strandhalle oder an  der Schiffbrücke. Die „Bojenlieger“ fand man im früheren Tegelnoor (letzter Schleizipfel vor dem Bau der vierspurigen Umgehungsstraße) oder in den kleinen Buchten am nördlichen Schleiufer. Das Vereinsleben beschränkte sich auf die jährliche Regatta in die Kleine Breite, monatliche Versammlungen im Clubheim Louisenbad, später Schleihalle und Strandhalle und – wie heute – die täglichen „Schnacks“ über Gott und die Welt.

 Nach dem ersten Weltkrieg kam der SSC erst langsam wieder voran. Doch trotz aller Widrigkeiten sollten die 20er Jahre für den Verein große Veränderungen und erfreuliche Entwicklungen bringen. So sorgte der Vorsitzende Konsul Horn im Jahre 1921 für die Aufnahme des SSC in den Deutschen Seglerverband – als 65. Mitglied. Heute gehören dem DSV 1.400 Vereine an. Außerdem wurde die später legendäre Schleiwoche

Schleiwoche 1955 vor Ulsnis

 

gegründet, eine Regattareihe, die in den 30er Jahren zum Top-Ereignis an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste aufstieg. Und so ging es Jahr für Jahr weiter: Bau der ersten Slipanlage für die Winterlagerung, Gründung der Jugendabteilung, über viele Jahre eine der größten Organisationen des Seglerjugend in unserem Lande und vor allem: der Mitglieder- und Bootsbestand wuchs erheblich. Im Jahre 1923 zählte der Verein bereits 180 Mitglieder, die Flotte hatte sich auf 40 Jachten vermehrt. Eine davon war die „Frisia“ von Heinrich Köster.

Die „Frisia“ war ein schneller 45qm Nationaler Kreuzer, 11 Meter lang und 2,30 Meter breit. Sie wurde im Jahre 1922 auf der Schlichting-Werft in Travemünde gebaut und, wie man auf alten Fotos sehen kann, zunächst als Gaffelsegler geriggt. Sie war in Auftrag gegeben worden, um Preise zu gewinnen. Das tat sie auf Anhieb. Schon auf der ersten Schleiwoche ersegelte sie den ersten Preis – einen Elfenbeinzahn mit Verzierungen. Dabei blieb es nicht. Bei unzähligen Vereinsregatten, Kieler Wochen und den Regatten um das Blaue Band der Schlei lag die „Frisia“ vorn.

 In den 30er Jahren kam die Rennyacht in die Hände der Familie Schoppmeier, die für einige Veränderungen sorgte, z. B. für eine Hochtaklung statt des bisherigen Gaffelriggs. So konnte man leichter mit dem Schiff umgehen. Erhebliche Änderungen gab es in jenen Jahren bekanntlich auch auf dem Felde der Politik. Der 1933 in Schleswig gegründete Segelclub „Ahoi“ sah sich schon zwei Jahre später auf Anordnung „von höchster Stelle“ im Schlei-Segel-Club wieder. „Gleichschaltung“ wurde dieser Vorgang genannt. Mit einem Male wuchs der SSC wieder auf 176 Mitglieder und 52 Boote an. Aber die „Ahoier“ verstanden sich gut mit den SSCern, wobei der gemeinsame Bau der Bootshäuser am Louisenbad sicherlich ein verbindendes Moment darstellte.

 Gerichtet wurden die Bootshäuser im November 1935. Und sie stehen heute noch, eine gute Konstruktion und gute Pflege machten es möglich. Leider blieb der Wunschtraum nach einer größeren Brücke zunächst unerfüllt. Aber die geschützte Lage der kleinen Bucht zwischen der Strandhalle und dem Louisenbad führte zu einer Konzentration des Bojenfeldes. Diese Lösung, Sommer- und Winterlager dicht beieinander, brachte eine weitere  positive Entwicklung des Vereinslebens, jäh durch den zweiten Weltkrieg unterbrochen. Zunächst fehlten die Segler, um die Boote zu bewegen, später dann die Materialien, um die Boote zu erhalten und zu reparieren.

 Der  „Frisia“ ging es noch schlechter. Ihr wurde mit der großen Baumsäge ein Meter ihres schönen Rumpfes abgesägt. Und nicht nur ihr. Weitere drei Boote holte man an Land, um sie auf unter 10 Meter zu stutzen. Dies war sicherlich ein schmerzvoller Vorgang, aber notwendig, weil sie sonst bei über 10 Meter Länge von der englischen Besatzungsmacht beschlagnahmt worden wären. Etwa ein Jahr vorher, am 09. Mai 1945, waren alle Boote requiriert worden einschließlich Bootshaus. Nun segelten fremde Soldaten, mitunter in Begleitung „deutscher Frolleins“ mit den geliebten Booten. Ihre Eigner standen auf der Schleipromenade sowie auf dem Bahndamm der Kleinbahn und beobachteten voller Schmerz, wie die Engländer unsanft mit den Yachten umgingen.

 Am 25. Juli 1946 gelang es, die Rückgabe der meisten Boote zu erwirken, wenig später auch des Bootshauses. Die Segelei auf der Schlei war, wenn auch mit Auflagen, wieder möglich. Leider wurden die im SSC so beliebten Schleikreuzer erneut beschlagnahmt und „zwangsverschleppt“, einige bis zum Jahre 1952. Für die Zeit der Requisition erhielten die Eigner übrigens eine „Chartergebühr“(!), für die Beschlagnahme des Schleikreuzers „OHO“ zum Beispiel, gab es ganze 37,50 DM. Und für die „Frisia“ gab es neue Eigner. Etwa 1948 übernahmen die Familien Witte und Osbahr das Schiff und tauften es um in „Dwarslöper“.

 

Rennyacht

 

 In der Zeit von 1950 bis 1980 entwickelte sich der Schlei-Segel-Club dank günstiger wirtschaftlicher und polititscher Bedingungen außerordentlich dynamisch. Nach der Verschmelzung mit der Segler-Vereinigung Schleswig und dem neuen Stander, ein weißer Winkel auf blau-rotem Grund, kommt endlich die lang ersehnte Brücke für die weiter wachsende Flotte. Es folgen 1958 die Taufe der ersten deutschen Katamaranflotte

Taufe der Katamarane vor der Strandhalle 1958

 

 und fünf Jahre später die Vorstellung der ersten deutschen Optimistenflotte, 28 Stück auf einen Schlag, alle selbst gebaut. Diese Jüngstenjolle treibt wirklich – nomen est omen – die Mundwinkel der SSC-Jugend nach oben. Ihre Väter haben gute Arbeit geleistet.

 Übrigens hat die ehemalige „Frisia“ inzwischen zu alter Rumpfform zurückgefunden, was ihr gut bekommt. Sie ist nach wie vor ein pfeilschneller Segler. Leider wird sie 1979 nach Kiel verkauft, nach 57 Jahren im SSC. Inzwischen hat nämlich eine große Umtauschaktion eingesetzt: Nicht nur alt gegen neu, sondern auch Holz gegen Kunststoff. Die Schiffe aus Fiberglas sind den Holzbooten klar überlegen hinsichtlich Preis, Platz und Bequemlichkeit. Allein in der Zeit von 1975 bis 1980 registriert der Schlei-Segel-Club einen Zugang von 89 Booten.

 

Die SSC-Anlage um 1980

 

 Die komfortableren Boote und die längeren Urlaube ermöglichen immer weitere Reisen. Dänemark und Schweden sind nach wie vor beliebte Ziele, manchen SSCer treibt es gar um die Welt: von 1994 bis 1999 segelten Wolfgang und Birte Knauer rund um den Globus, eine aufregende Langfahrt. Auf der Großen Breite treffen sich 1958 die 20qm Jollenkreuzer  und 1976 die Folkeboote zu den Deutschen Meisterschaften, ausgerichtet vom SSC. Schließlich werden die Klubanlagen vervollständigt durch eine große Bootshalle mit eigenem Clubheim „dat Leck“ (1969) und schließlich (2003) ein Jugendraum für die nach wie vor erfreulich aktive Jugendgruppe. Zur Zeit sind etwa 450 Mitglieder und 200 Boote im Schlei-Segel-Club eingetragen.

 Das Jubiläumsjahr der Stadt Schleswig sieht einen besonders engagierten Schlei-Segel-Club. Es gilt nicht nur, das eigene 100jährige Jubiläum vorzubereiten, sondern auch auf den verschiedenen Bühnen der Schleistadt mitzuwirken. Denn man ist zu Dank verpflichtet. Die Vereine finden im Rathaus seit Generationen ein offenes Ohr und manche wichtige finanzielle Unterstützung. Der Schlei-Segel-Club mit den Nachbarvereinen zusammen verdankt der Stadt mehr, nämlich ein wunderschönes Vereinsgrundstück. Welcher Segelverein in Deutschland verfügt über ein landschaftlich so bezauberndes Gelände mitten in einer spannenden Stadt?

 

Schleswig, 02.04.2004                    Malte Mensing

Anmerkung des Webmasters: In diesem (und anderen) Beiträgen wirken historische Photos richtig toll (wie hier die Bilder von Malte Mensing)! Wer also in der Richtung etwas zur Verfügung stellen kann, sollte sich bei mir melden. Die Photos werden von mir eingescannt und unbeschädigt wieder zurück gegeben!

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